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Das Studentenleben: Sind andere Altersgenossen schon längst im Leben angekommen, hängen die zukünftigen Akademiker immer noch in der Schleife aus Erwachsenwerden, Beziehungsstress und Identitätskrise. Nicht für die Uni, sondern fürs Leben lernen wir. Oder so ähnlich.

Von Einschreibung bis Diplom folgt “13 Semester” dem Wackelkandidaten Momo auf seiner Odysee durch Massenstudium, Mensaessen und Mädchenträumereien. Momo studiert Wirtschaftsmathematik in Darmstadt, warum oder wofür, das ist ihm allerdings nicht so ganz klar. Bevor er sich das überlegen kann, muss er ersteinmal den WG-Marathon bestehen.

Mit Ach und Krach schleppt sich Momo durch das Vordiplom, dann bricht er ein. Während andere auf der Überholspur an ihm vorbeiziehen, beschäftigt Momo sich lieber mit Feiern, Kochen, Flirten und abstrusen Geschäftsideen. Ein Auslandssemester in Sydney ist auch noch drin, bevor die Realität das lockere Uni-Leben einholt. Die Fristen drücken, Lernstoff will nachgeholt werden, die Freundin erträgt die schlechte Laune nicht länger.

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“13 Semester”, das Regie-Debüt von Frieder Wittich, bleibt Momo und seinen Freunden an der Seite, in den unbekümmerten wie den depressiven Momenten. Die Handlung überzeugt zunächst mit lebensnahen Situationen, die den Gangwechsel beim Start in der Uni nachvollziehbar machen. Mitbewohner kennen und lieben lernen, Clique finden, sich in der Bibliothek einnisten, im vollen Hörsaal verfrüht aus der Vorlesung abhauen, ohne dass es der Professor mitbekommt – das sind alles Disziplinen, die von den zukünftigen Dipl.-Betriebswirten beherrscht werden wollen.

In der zweiten Hälfte tritt dann die Eingewöhnung in den Uni-Alltag in den Hintergrund, und Momos persönliche Entwicklung in den Vordergrund. Da “13 Semester” mit dem Anspruch antritt, nicht komplett in die Aussagslosigkeit üblicher Uni-Komödien wie “Road Trip” oder “Lammbock” abzurutschen, wird es hier auch mal etwas ernster. Momo bewältigt seine erste große Sinnkrise, und die gute Laune ist erstmal verflogen, die aber beim großen Finale (mit oder ohne Diplom, alles wird hier nicht verraten) dann aber schnell wieder einkehrt. Am Ende findet zumindest im Film jeder seine Passion.

Der junge Regisseur Wittich gibt im Gespräch zu, selbst 12 Semester studiert zu haben. Die Geschichte von Momo sei aber angelehnt an seinen Drehbuch-Co-Autor, der sich erst durch ein Wirtschaftsmathe-Studium kämpfen musste, um dann beim Film zu landen.

Diese Nähe am Thema merkt man dem Film an, wobei, der Film ist nah an der Situation vor einigen Jahren, als Regisseur und Drehbuchautor noch in die Uni gingen. Denn ob ähnliche Studienverläufe in unseren durch den Bologna-Prozess glatt gebügelten Unis noch zu finden sind, darf bezweifelt werden. So ist der Film auch ein Requiem auf den Langzeitstudenten – eine Gattung kurz vorm Aussterben.

13 Semester” feierte auf dem Zürich Film Festival seine Uraufführung und läuft im deutschsprachigen Spielfilmwettbewerb. Die Veröffentlichung in Deutschland ist für den 7. Januar 2010 angesetzt.