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Dass die Modeindustrie provoziert und polarisiert ist sicher keine schlechte Sache. Doch die deutsche Ausgabe des Modemagazins Vogue hat nun einen besonders sensiblen Punkt getroffen: In einer aktuellen Fotostrecke werden die Models als Obdachlose in Szene gesetzt. Direkt wird das zwar nicht angesprochen, der Leser kommt allerdings von ganz alleine darauf. Ist in Anbetracht von Einkaufswagen und Bettlerbechern auch nicht besonders schwer. Warum nur Obdachlosigkeit auf diese Weise thematisieren? Verglichen damit erscheint die Magermodel-Debatte geradezu als klassisches Erste-Welt-Problem.

Menschen ohne festen Wohnsitz auch noch ausgerechnet zu Beginn der kalten Jahreszeit in teuren Designermänteln zu präsentieren, erscheint wie ein schlechter Scherz. Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass sich die Modebranche dieser Thematik auf unsensible Weise zuwendet. Dass der Alltag dieser Menschen häufig von Krankheit, Armut und Verzweiflung geprägt ist, wird mit keinem Wort erwähnt. Auch der Designer Patrick Mohr schickte vor drei Jahren Obdachlose als Models auf den Laufsteg. Vivienne Westwood wiederum gab ihren Models zur Mailänder Modewoche im Januar 2010 löchrige Schaumstoffmatten, geklaute Einkaufswagen und zerschlissene Kleidung mit auf die Bühne.

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Die Illustration (oben) legt den Gedanken nahe, dass der typische Hipster-Look unserer Zeit der Kleidung obdachloser Menschen ohnehin schon sehr nahe komme. Die zuvor erwähnten Kampagnen oder gar Wortkreationen wie Homless Chic sollten den Illustrator ja dann nicht mehr sonderlich schocken!