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Wenn eine Band 40 Jahre nach der glanzvollen Ära des Psychedelic Rocks sich und auch dem Genre wieder internationale Beachtung zukommen lässt, muss an der Musik schon etwas dran sein. Schließlich werden sich auch The Brian Jonestown Massacre ja weiß Gott nicht ohne guten Grund dafür entschieden haben, The Blue Angel Lounge mit auf Tour zu nehmen! Auch das Austin Psych Fest hat die Band voller Begeisterung gleich zwei Jahre lang in Folge gebucht. Nun ist ihre EP “Ewig” im Kasten und bevor sie am 15.6. erscheint, wird natürlich schon mal intensiv getourt. Wir haben The Blue Angel Lounge ausgefragt:

Wie lange macht ihr schon zusammen Musik und was waren bisher eure wichtigsten Stationen als Band?

Die Band wurde unter diesem Namen 2006 von Nils (Gesang) und Mel (Gitarre) gegründet. Anfangs haben die beiden vor allem zu zweit aufgenommen und unter wechselndem Line-up einige wenige Auftritte gespielt. Auf diese Weise ist unser Debutalbum zu Stande gekommen und wurde in Eigenregie auf Vinyl veröffentlicht. Schließlich ist im Sommer 2009 unser jetziges Label 8MM Musik auf die Platte aufmerksam geworden und hat das Album auf CD rausgebracht. Etwa zeitgleich ist aus dem Zwei-Mann-Projekt eine Band mit halbwegs festem Line-up geworden. Seitdem haben wir ein weiteres Album und nun aktuell unsere erste EP veröffentlicht und sind durch Deutschland, Frankreich, Dänemark, Polen und die USA getourt. Im Mai steht als Support von Brian Jonestown Massacre für deren Westcoast Tour der nächste Meilenstein an.

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Woher kommt eure Leidenschaft für Psychedelic Rock?

Hassliebe trifft es wohl eher als Leidenschaft. Natürlich waren viele Psychedelic Bands in den letzten Jahren ein wesentlicher Einfluss für uns. Womit wir allerdings gar nichts anfangen können, ist der typische Seventies-Psych, mit ausufernden Jams und technischem Gefrickel. Für uns stehen immer Songsstrukturen und Melodien im Vordergrund. Wenn man das konkrete Soundgewand außen vor lässt und sich tatsächlich nur auf die Songs konzentriert, verschwimmen Genregrenzen zunehmend. Letztlich kommt es in unseren Augen auf die Qualität der Songs an und in dieser Hinsicht wäre es ziemlich dämlich, sich selbst auf ein Genre zu beschränken.

Darüber hinaus empfinden wir die Psychedelic-Szene zum Teil als rückwärtsgewandt. Gerade zur Zeit versuchen viele Bands, immer und immer wieder Dagewesenes aufzukauen. Natürlich ist es inzwischen fast unmöglich, etwas völlig Neues zu machen. Trotzdem merkt man es einer Band in der Regel sofort an, ob sie einen eigenen Stil entwickelt hat, ein konsequentes Konzept zu Grunde liegt oder ob stilistisch lediglich die Vorbilder kopiert werden. Und von Bands der letzteren Sorte gibt es zur Zeit definitv zu viele.

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Mit welcher Band würdet ihr gern mal auf Tour gehen?

Genau aus dem eben genannten Grund würden wir gerne mit einer Band aus einem anderen Genre oder zumindest ohne direkten Bezug zur Psychedelic Szene auf Tour gehen. Es ist natürlich utopisch zur Zeit, aber Dead Can Dance wäre so ein Kandidat. Wir denken, dass sich unsere Musik in dem Kontext sehr gut machen würde. Vielleicht stände das Mystische dabei mehr im Vordergrund als die psychedelischen Elemente.

Fällt euch spontan ein besonderes oder einfach einprägsames Tourerlebnis ein?

Nach unserem Konzert in München 2011 wurden wir nachts davon wach, wie unser Drummer aus dem Bett kletterte, sich mitten in den Raum stellte und die Stiefel unseres Tourmanagers/Labelchefs pisste. Der war aber selbst nicht ganz zurechnungsfähig, und ließ sich nicht zu einer Reaktion bewegen. Am nächste Morgen konnte sich keiner von beiden dran erinnern.