T-Post Packshot
Informationen in gedruckter Form stehen ja seit geraumer Zeit auf der Liste der bedrohten Medienarten. Magazine sind da nicht ausgenommen, so sind in den letzten Monaten z.B. das Männermagazin Maxim, die Gesellschaftspostillen Vanity Fair und Park Avenue, und das Interview-Magazin Galore vom Markt verschwunden. Magazine bieten den Lesern zwar viele bunte Bilder und - bei Maxim etwas versteckt - auch Texte zum Lesen an, aber nichts darüber hinaus.

Um mal das etwas überkommene Geschäftsmodell Magazin auf den neuesten Stand zu bringen, schlagen wir das Yps-Prinzip vor. Unser Aufruf: Gebt den Lesern was in die Hand! Abo-Kunden wollen den langen Weg zum Briefkasten mit einer besonderen Belohnung versüßt bekommen. Das wusste schon 1975 das Yps-Magazin. Das Comic-Heft hatte jeder Ausgabe ein Gimmick beigelegt, das die jungen Leser begeisterte. Von Urzeitkrebsen, über die Agentenausrüstung, bis zum Furzkissen - jede Woche gab es eine neue Überraschung. Meist hielten die Beilagen nur wenige Tage, aber das war egal, dann lag ja schon wieder die nächste Ausgabe am Kiosk.

Das Yps-Prinzip funktioniert auch bei Erwachsenen. Wie, dass zeigen die folgenden Beispiele, die das Wall Street Journal gesammelt hat:

T-Post
Diese T-Shirt-Postille erscheint alle sechs Wochen im Leibchen-Format. Die Abonnenten bekommen aber weit mehr als ein T-Shirt, denn auf der Innenseite ist eine wahre Geschichte abgedruckt, die durch eine Illustration auf der Vorderseite aufgegriffen und kommentiert wird – Denkanstösse zum Tragen.

Freestyle
Dieses Magazin für Frisbee-Afficionados aus Berlin erscheint im Juli das erste Mal. Jede Ausgabe ist rund und wird in einer Frisbee inneliegend ausgeliefert. Anscheinend gibt es eine große Überschneidung von Menschen, die Plastikscheiben in Parks rumwerfen, und Designmagazine kaufen. Ab diesen Sommer dann auf der Liegewiese ihrer Wahl.

Visionaire
Bei Visionaire ist das Magazin selbst das Gimmick. Jede Ausgabe ist eine Zelebration der Druck- und Gestaltungskunst. Die aktuelle Ausgabe besteht aus Schwarz-Weiß-Fotografien, die farbig werden, wenn man sie ins Licht hält, was jetzt auch nicht so weit vom Yps-Magazin entfernt ist. Der Preis sprengt mit 5.000 US-Dollar pro Exemplar aber jedes Taschengeldbudget. Dafür bekommt man aber auch eine limitierte Version, gestaltet von den aktuellen Größen der Kunstwelt. Eine Preisklasse darunter liegt das Parabol Magazine, das mit ähnlichem Konzept, aber weniger Herstellungskosten aufwartet.

La Más Bella
Dieses Magazin nimmt für jede Ausgabe eine neue Form an, mal erscheint es als Geldbeutel mit exklusiv gestalteten Kreditkarten, mal als eine Schürze, und auch als Stofftasche ist es schon ausgeliefert worden. Sehr wandelbar, nur leidet der Wiedererkennungswert ein wenig.

La Lata
Das Magazin La Lata schickt einmal jährlich Dosenpost an seine Abonnenten. Ob in Konservenform, oder als Farbeimer, man muss man immer den Büchsenöffner bemühen, um an den Inhalt zu kommen. Eingedost findet man Statuen, Bilder oder andere Kunstwerke. Das Überraschungsei unter den Kunstmagazinen.

Also, es geht doch. Vielleicht klappt das auch für weniger Design orientierte Magazine, und mehr General-Interest-Titel. Maxim hätte ja auch jeder Ausgabe einfach die Telefonnumer des im jeweiligen Heft abgelichteten Fotomodells beilegen können. Und Vanity Fair ein 3d-Faltmodell von Brad Pitts und Angelina Jolies neuem Penthouse in Berlin.