north

Wahrscheinlich ohne sich sonderlich viel dabei gedacht zu haben, gründeten Rob Thomas, Kyle Cook, Paul Doucette und Brian Yale 1995 in Orlando eine Rockband. Diese Herren haben seither über 20 Millionen Alben verkauft. Gerade erscheint ihr fünfter Langspieler. Die Südstaatler haben ihr neues Baby auf den Namen North getauft und werden ab Mitte Oktober erstmal in Australien damit auf Tour gehen - Melbourne, Bruce, Brisbane, Sydney usw.

Die Rede ist natürlich von Matchbox Twenty. Seit dem dicken Mann mit Brille auf Cover ihres Debütalbums Yourself Or Someone Like You ist verdammt viel Zeit vergangen. In der Zwischenzeit haben sie den Globus gleich mehrfach umrundet, Songs für Santana, Mick Jagger und Willie Nelson geschrieben, aber auch Pausen eingelegt. Vielleicht liegt genau darin auch ihr Erfolgsrezept. Erst wenn die Batterien wieder vollständig aufgeladen sind, kehren sie zurück. Rückkehr nur unter der Bedingung, dass man wirklich wieder etwas hinaus in die Welt tragen will.

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Und ich hatte North kaum zur Hälfte durchgehört, als mir schwante, dass diese Band tatsächlich ein komplettes Album mit so temporeichen, von positiver Energie getragenen Songs füllen könnte. Und dann kommt der sechste Song, I Will, mit dem sich MT dann doch erstmal wieder ausbremsen. Aber Klavier und Streicher hin oder her - der Optimismus bleibt erhalten. Doch in der ersten Minute von English Town war ich mir dann wirklich sicher, dass sich mein anfänglicher Eindruck einer vor Kraft nur so strotzenden Platte als Irrtum herausgestellt hatte. Wieder falsch: Denn dieser Song erzählt sich, wie eine Geschichte, die eine krasse Wendung nimmt. Kraftlosigkeit: Fehlanzeige.

Nord-Süd-Gefälle

North birgt keine großen, dafür aber wichtige, kleine Überraschungen. Immer wenn man meint, diese neuen MT auf eine Grundrezeptur reduzieren zu können, widerlegen sie einen. Gleichwohl ist hier das Kunststück des Sich-treu-bleibens gelungen. Keine krampfhaften Exkurse in fremde Gewässer. Dafür gehen sie den eigenen Anlagen und Möglichkeiten auf den Grund. Mit North kommen Matchbox Twenty im 21. Jahrhundert an und katapultieren sich in eine Sphäre des Poprock-Kosmos, die zur Zeit nur von Bands wie Coldplay, Bloc Party und U2 bewohnt wird.

Tracklist:

  1. Parade
  2. She’s So Mean
  3. Overjoyed
  4. Put Your Hands Up
  5. Our Song
  6. I Will
  7. English Town
  8. How Long
  9. Radio
  10. The Way
  11. Like Sugar
  12. Sleeping at the Wheel
  13. I Believe in Everything (Bonus Track)
  14. Straight for This Life (Bonus Track)